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30.04.07
51 Jahre Deutsches Werbefernsehen

Ein Beitrag von Bruno, dem längst verbannten, aber unvergessenen HB-Männchen.

Hallo, ich bin Bruno. Sie erinnern sich an mich?! Als HB-Männchen drohte ich angesichts alltäglicher Tücken in die Luft zu gehen. Bis ich anno 1974 vom Bildschirm verbannt wurde und daraufhin mein Dasein noch einige Jährchen in Kinosälen fristen durfte. Mit dem Ergebnis, dass die Verbraucher zwar weiterhin rauchten, nur nicht die Marke, die mich gebar und wieder sterben ließ. Neulich traf ich den Marlboro-Mann. Ob er überhaupt jemals im deutschen Fernsehen zu sehen gewesen ist? Ich zweifelte. „Doch, doch“ insistierte er. Ganz aktuell sei er am Start, als Parodie einer Hommage zwar nur, aber immerhin. Und er beklagte sich bitterlich, dass er nicht mehr als Raucher sondern als Animateur der Spielsucht fungiere. Er erzählte was von Pokern, von schwulen Cowboys, „Brogebäck Mauntein“ - weiß auch nicht. Ich hab die von ihm in Worte gekleidete Werbung jedenfalls nicht verstanden. Und meine Eltern auch nicht. Man muss wohl unter den Lebenden weilen, um das zu verstehen. Ich halte da nicht mehr mit. Ich hatte es ja auch nicht nötig, bei meinen Entgleisungen auf die Tagesaktualität Bezug zu nehmen.

Jedenfalls - zu meiner Zeit wurde für althergebrachte Kartenspiele nicht geworben. Nur für die Dinge des täglichen Bedarfs, mitunter Zigaretten.

Ach, Ihnen kann ich es ja verraten: es schön hier im Himmel der Werbeikonen. Ich kann rauchen soviel wie ich will - denn ich bin ja schon tot. Aber sagen Sie es keinem weiter. Sonst bekomme ich doch noch Ärger . . . von wegen, ich hätte an dieser Stelle „Schleichwerbung“ betrieben. Kennen Sie diesen Begriff überhaupt noch? Heute heißt das ja „Product Placement“. Oder?

Na ja, selbst hier oben amüsieren wir uns über die Omega-Armbanduhren, zwei verschiedene in einer Sequenz, oder den albernen Ford-Trailer im neuen Bond. Aber der ist Kino, der darf das. Wissen Sie, was ich noch amüsanter, um nicht zu sagen, bemerkenswerter finde? Das ist zum einen, entschuldigen Sie meine Gesprächigkeit, wie sich Autohersteller bemühen, vergleichende Werbung zu umgehen, indem sie markenlose Karosserien (wahrscheinlich von „Lada“, Claim, by then way,: „Was will man mehr?“) in Konkurrenz zu ihrem neuesten Erzeugnis setzten, um Begehren zu wecken. Und zum anderen, und das empfinde ich als bedeutend bedeutsamer, dass das so genannte „Product Placement“ im Werbespot selbst nicht stattfindet. Meine Freunde, der Persil-Mann und Klementine von Ariel, lachen nur . . . und doch denken sie sentimental: „Hach, wenn wir doch nur einmal in einer Versandhausreklame, Thema Mode, aufgetaucht wären!“ Sie hätten so gern mit ihrem allseits bekannten Gesicht das Ansinnen von etwa Herrn Quelle-(SKL/Krombacher) Jauch mehr Glaubwürdigkeit verliehen. So aber bleibt die Deutsche Fernsehwerbung auch im 51.Jahr ihres Bestehens endemisch. Pardon, jeder für sich. Was spräche dagegen, jemanden, etwa mich, wieder einzusetzen? Ich könnte für Lutschbonbons, Hähnchenhälften oder ausgewogene Mineraldrinks auf natürlicher Basis herhalten; halt für als das, was man sich in den Rachen schiebt und goutiert, solange man nicht raucht. Ach, ich fange an zu träumen … bitte um Verzeihung, sie zappen ja ohnehin weg . . . aber stellen Sie sich mal vor, ein Haribo Gummibärchen führe mit einem, sagenwirmal, Peugeot gegen eine Wand, und es schmölze in Slowmo vor sich hin, während der Hustinettenbär, aus einem, sagenwirmal, Toyota winkend, an dem Schlamassel vorbei fährt. Woraufhin sich der Peugeot samt Bärchen sich wieder zusammensetzte, und beide, Hustinetten-Toyota und Haribo-Peugeot, überholten gemeinsam einen Daimler. Got it?

Huch, Neuankömmlinge. Mal sehen. Wen haben wir denn da?  Ach Gott (heute mal zur Abwechslung Werner Butter - wie, der ist noch gar nicht tot?!), das fiese Geschwisterpaar von, wenn man vom Teufel spricht, Peugeot, der allgemeines Entsetzen auslösende Volldödel von der Sparkasse … und - Oliver Pocher samt der Sau vom MediaMarkt. Man sagt, sie polarisierten. Mal schauen. „Hallo, ich bin der Bruno.“ Pocher sagt nichts ohne die Sau. Die Sau sagt nichts ohne den Pocher. Beide sind sie - nichts sagend.  Und wissen Sie auch warum? Weil die nur über den Preis gehen. Haben nichts zu melden, außer billig. Und billig ist schlicht und ergreifend - und langweilig. Da nützt es nichts, dass die Sau tatsächlich „brand placement“ betrieben hat und so aus Sony  „Sauni“ wurde.

Nach 51 Jahren Deutscher Fernsehwerbung, davon annähernd zwanzig Jahre unter meiner aktiven Beteiligung, bin ich froh, mit dieser Anbiederung nichts mehr zu schaffen zu haben. Ja, haben denn die Entscheider, die Verantwortlichen, die Creativen nicht zumindest mal „Grundlagen Marketing“ aus dem Schulbuchverlag Cornelsen gelesen?! Wollen die Marke machen oder einfach nur abverkaufen und mit dem Geld aus der Kasse durchbrennen, auf das Eiland, wo eine „German Kleinigkeit“ gereicht wird, bevor Becks auf zu neuen Ufern in See sticht, während der Jever-Mann ein für allemal von der Düne kippelnd … sorry, ich rege mich auf. Doch was bleibt einem, wenn man nichts mehr zu sagen hat? Die Polemik.

Wir, meine Kollegen Werbeikonenhimmelsgenossen, Pesil-Mann, Klementine (unter ihrer Schürze liegt das wahre Paradies!), Hustinettenbär und die guten (!) alten (?) Mainzelmännchen, kämen gerne zurück. Unter einer Bedingung: lasst der Konvergenz (so heißt das doch?!) endlich freien Lauf. Bildet Kooperationen und erschafft In-Jokes, über die eure Zielgruppen tags drauf sprechen. Macht Marke mithilfe anderer Marken. Seid nicht so verbissen und borniert. Es tut euch keiner was. Gemeinsam könnt ihr gewinnen. Macht Spaß! Und ergeht euch nicht in jene Scheinheiligkeit, die euch verwässert. Denn, mal ehrlich, verkaufen wollt ihr alle.

Ich träume … von dem Commercial eines Finanzdienstleisters. Auf Mainstream gecastete Allerweltsgesichter tummeln sich in einer surreal heilen Welt, setzten ihr Segelboot auf Törn, als wenn es kein Morgen, geschweige denn Erderwärmung, Hartz 4 oder den „war against terrorism“ gäbe … Da käme ich doch mal gerne vorbei: ein Sturm braust auf, der lebensversicherte Herr Papa verliert die Kontrolle, die Kinder schreien, die Mutter kriegt ihre fünf Minuten (und das alles in 30 Sekunden) - und dann komme ich. „Wer wird denn gleich in die Luft gehen?! Greife lieber zur HB-Zigarette!“ Die Wellen würden sich glätten und alle sprächen wie von einer Zunge Wort: „Lebensversicherung? Eine feine Sache! Gibt es bei Vertragsabschluss auch ne Stange HB?!“ Den Lebensversicherern würde das sicher ins Futter spielen, denn der Ironie sind kaufkräftige Konsumenten durchaus mächtig.

Seis drum,

Euer Bruno©